Der Autor als Zirkuskind

Kultur | DANIEL KEHLMANN | aus FALTER 11/02 vom 13.03.2002

LITERATUR. Von der Hitlerjugend zum Schriftsteller: über Gerhard Amanshausers unsentimentale Erinnerungen "Als Barbar im Prater". 

Gerhard Amanshauser hat seine Memoiren geschrieben. Und wie es von einem der wagemutigsten Autoren seiner Generation und dem verkanntesten großen Schriftsteller Österreichs zu erwarten war, in einer gänzlich neuartigen Form: Kurze Passagen im Stil seines 2000 erschienenen "Mansardenbuchs" wechseln ab mit Transkriptionen von Gesprächen mit seinem Sohn Martin Amanshauser, die dem literarisch Komponierten das Spontane der mündlichen Rede gegenüberstellen. So kommt es, dass man häufig ein und dieselbe Szene zweimal liest, zunächst in ihrer literarischen und dann in ihrer vorliterarischen Fassung. Das mag zunächst befremdend sein, doch hat man sich einmal an diesen Spiegelungseffekt gewöhnt, möchte man nicht mehr darauf verzichten: ein gewagtes, aber gelungenes Stilexperiment.

  Amanshauser erzählt von seinen Vorfahren, ihrem Aufstieg aus dem ländlich-kleinbürgerlichen

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