Aufgeblättert

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 11/02 vom 13.03.2002

Genie und Wahn ist eine Krankheit, die bevorzugt männliche Jugendliche befällt. Bernhard, das Analyseobjekt aus dem Carsten-Probst-Roman "Träumer", scheint von Kindheit an dazu prädestiniert, das entsprechende Klischee mit echtem Leben zu erfüllen. Er schmeißt das Gymnasium hin, weil die Freiheit der einzige Weg zum Künstler ist. Er saugt alle Vitalität aus Verwandten und Freunden, denn einer allein kann die Kraft nicht aufbringen, die für eine kreative Weltleistung nötig ist. Angesichts des von Carsten Probst geschilderten Exzesses ist man als Leser doch ganz froh, dass ökonomische Rationalisierungsprozesse mittlerweile auch die Lebenswelt der Menschen erfasst haben. Genie und Wahn, das ist eine exorbitant gefährliche Krankheit, und der Autor bringt den Leser dazu, darunter zu leiden, dass Bernhards Jugendfreund und Bernhards Schwester den Patienten nicht einfach in einer psychiatrischen Anstalt abstellen, wo er früher oder später sowieso landen wird. Die beiden lassen sich


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