Fragen Sie Frau Andrea: Länderkunde

Stadtleben | aus FALTER 11/02 vom 13.03.2002

Sehr geehrte Frau Andrea,

bald wird die Regierung Schluss mit "lustig" machen und die Ruckizucki-Deutschkurse für ausländische Mitbürger in die Tat umsetzen. Jedes mal, wenn ich im Schulatlas meiner Tochter blättere, fällt mir auf, dass die deutsche Sprache sehr inkonsequent mit den Bezeichnungen für andere Länder umgeht. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wundere ich mich täglich aufs Neue, wie aus dem tschechischen "Cechy", das nichts anderes als "die Tschechen" bedeutet, ein Unwort wie Tschechien wurde. Ist das sprachlich nicht unkorrekt? Es müsste doch Tschechen heißen, schließlich heißt es ja Polen und Schweden und nicht Polien und Schwedien. Sicher wissen Sie auch, wieso das skandinavische Königreich "Norge" im deutschen mit "Norwegen", einem Dativ, bezeichnet wird? Mit lieben Grüßen, Ihre Emöke, 1040 Wien

Liebe Emöke,

Sie haben völlig Recht, nichts in der deutschen Sprache ist verworrener als die Bezeichnungen für Länder und Nationen. Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass die Bezeichnung "Tschechien" von der Tschechischen Republik selbst gewählt wurde, um dem Gebrauch des von den Nazis benutzten Ausdrucks "Tschechei" vorzubeugen. Die Bezeichnungen der Länder aus deutschsprachiger Sicht, liebe Emöke, fand in höchst unterschiedlichen geschichtlichen Epochen statt und folgt nicht immer der sprachlichen Logik. Der neueste Trend erschöpft sich darin, einer geographischen oder historischen Gemeinsamkeit das Wörtchen "-land" anzuhängen. Das jüngste österreichische Bundesland, das an Festungen nicht arme "Burgenland", das "Saarland" im Westen Deutschlands und seltsame neue Territorien wie "Schengenland" und "Euroland" scheinen diesen Trend zu bestätigen. Und nennen wir die Republik nicht auch schon notorisch "Schnitzelland?"

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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