VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 12/02 vom 20.03.2002

... berichtete Armin Thurnher von der Aufführung der "Dreigroschenoper" des Ensembletheaters.

Wie gerne würde man loben, wo man die Erwartung des Schimpfens spürt. Wie gerne würde man hochhalten, was von der Presse niedergemacht wird. Allein es geht nicht.

  Der neue "Treffpunkt Petersplatz" wurde mit Brechts "Dreigroschenoper" eröffnet, dargeboten vom Ensembletheater unter der Regie Dieter Haspels. Ein rauschendes Ereignis des Theaters seinerzeit, getragen von vielen, durchgesetzt, vieles für viele, unter Anwesenheit beispielsweise von Kraus, Feuchtwanger, die sogar Verse, da den Titel beisteuerten, gefeiert von der Berliner Intellektuellenszene und gleichzeitig ein riesiger Publikumserfolg. Ein Stück, dessen Melodien, Szenen, Texte Volksgut geworden sind. Ein Stück, dessen Darsteller - wie Lotte Lenya, um nur eine zu nennen - mit ihren Interpretationen von Platten und aus Filmen bekannt sind, auch vielen heutigen Theaterbesuchern bekannt sein müssen.

  Die Inszenierung Haspels freilich sucht alles andere als das Risiko. So wohltuend man das Fehlen vieler - nicht aller - gewohnter Unarten und Manieriertheiten bemerkt, so angenehm die Einfachheit der Mittel und die Beschränkung des Bühnenbilds erscheint, so glatt und seicht bleibt die Unternehmung insgesamt. Im Fußball würde man sagen, die Mannschaft habe von Anfang an versucht, den Punkt des 0:0 zu retten.

  Meistens geht das schief. Schuld ist zweifellos, so schmerzlich es ist, in den Chor der Rezensenten einzustimmen, die Unzulänglichkeit fast aller Darsteller, mit der erwähnten Popularität der Oper mitzuhalten. Ausgenommen vielleicht Stolzeit (Tiger Brown), der ein Komödiant ist, teilweise Anselm (Macheath), dessen Fähigkeit, deutlich zu artikulieren, ihn noch halbwegs würdig durch manche Szenen kommen lässt, Jürgen Stelling (Peachum), und Michaela Scheday (Frau Peachum) welche allerdings unter Eingebungen der Kostümbildnerin zu leiden hat.


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