"Drei kleine Rädchen"

Politik | NINA HORACZEK | aus FALTER 12/02 vom 20.03.2002

OMOFUMA-PROZESS. Drei ehemalige SP-Innenminister standen vergangene Woche in Korneuburg als Zeugen vor Gericht. 

Der Dienstälteste war der Gesprächigste. "1991 oder 92 hat man mir am Flughafen erzählt, dass ein- oder zweimal einem renitenten Schübling der Mund verklebt wurde." Franz Löschnak, der vergangenen Donnerstag als Erster von drei roten Innenministern im Prozess um den Tod des bei seiner Abschiebung verstorbenen Schubhäftlings Marcus Omofuma aussagte, war von 1989 bis 1995 im Amt. Von Klebebändern hatte er gewusst. Sie seien aber "immer nur kurz aufgeklebt worden", hätte die Flughafenpolizei damals versichert. Bedenken gegen die Vorgangsweise seiner Beamten hatte er keine: "Ich habe das unter Notwehr subsumiert."

  Dann tritt ein Fremdenpolizist in den Zeugenstand und schildert, wie diese "Notwehr" aussah: Wenn die Abzuschiebenden um sich schlugen, gab es Handfesseln. Wenn sie bissen, "Hansaplast extra breit". Manchmal wurde das Klebeband auch zweimal um den Kopf gewickelt.


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