Kommentar: Mit Jean Baudrillard im Parlament

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 12/02 vom 20.03.2002

Kein Platz blieb frei, als der französische Soziologe Jean Baudrillard am vergangenen Sonntag im Volkstheater einen Vortrag zum Thema "Globalisierung und Gewalt. Perspektiven nach dem 11. September" hielt. Das inhaltliche Delirium, in das sich der Meisterdenker der Achtzigerjahre redete, wurde dadurch verschleiert, dass er im Tonfall eines Märchenerzählers vortrug. Lächelnd sprach er von den afghanischen Frauen, die den Schleier auch nach dem Ende der Talibanregierung nicht ablegen wollen.

Auch den Taliban selbst könne er etwas abgewinnen, würden jene doch das radikal Andere repräsentieren, das der Westen unfähig sei zu berücksichtigen. Schmunzelnd sprach er von der Ekstase, die er nach dem 11. September empfunden hätte, da seine Theorie vom Verschwinden des Realen, das nicht folgenlos bleiben könne, durch die Attentate in New York bestätigt worden seien. In einer Mischung aus Paradoxon ("Das Symbolische bringt das Reale zum Einsturz") und Provokation ("Das World Trade Center


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