Ein Bus wird kommen

MICHAEL LOEBENSTEIN | Kultur | aus FALTER 12/02 vom 20.03.2002

FILM. "Ghost World" von Terry Zwigoff ist das gelungene Beispiel eines klugen und witzigen Teenagerfilms. 

Das Mädchen auf der Bühne ist ein Bild der Rührung: Im Rollstuhl, mit Nackenstütze und verdrahtetem Kiefer spricht sie von Gott und Gemeinschaft, von Verantwortung, Schicksal und dem rechten Lebensweg, den ihr Unfall ihr gewiesen hätte. Eltern und Kommilitonen applaudieren artig; bloß Enid und Rebecca sehen dem Spektakel der Schulabschlussfeier missmutig zu: "Ich mochte sie lieber, als sie noch auf Crack und Alkohol war", meinen die beiden sarkastisch.

  "Ghost World" ist noch keine paar Minuten alt, da hat man seine Heldinnen schon lieb gewonnen. Enid und Rebecca (Thora Birch und Scarlet Johansson) sind altklug, zynisch, verachten ihre provinzielle, kleinstädtische Umgebung und vermeinen alle Zeit der Welt zu haben: Die Schule ist vorbei, sie pfeifen aufs College und beschließen zu jobben, eine Wohnung zu suchen, gemeinsam zu leben. Zusammen streifen sie durch die Stadt,

  570 Wörter       3 Minuten
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