NÜCHTERN BETRACHTET: Cellophansackerl avec Sauce Tartare

Kultur | aus FALTER 12/02 vom 20.03.2002

Wache Leserinnen (oh, ich liebe wache Leserinnen!) werden vielleicht schon bemerkt haben, dass meine Freizeitgestaltung zum Populismus neigt. Kein Wunder also, dass ich das letztwöchige Wochenende mit dem Aufsuchen eines Konzertsaales einläutete, in dem ein sehr britischer und sehr schlanker Schlacks Schubertlieder sang. Der Saal barst vor Besuchern, und Royal Albert Hall barst vor apriorischer Raschel- und Hüstelphobie. Angetan mit seinem besten Liederabend-Poloshirt zog er den Kopf ein, verschob seinen Teint stark in Richtung Rotspektrum und machte dieses "Gleich-werden-die-Trotteln-wieder-zu-husten-beginnen"-Gesicht, das zwei, drei Zehntelsekunden nach dem ersten Ton mit einem kehligen Räuspern bestätigt wird und sich darauf um weitere zwei Farbsättigungsgrade rötet. Am originellsten trieb es ein älterer Herr, der ein schweres Buch in einem extrem raschelfreudigen Cellophansackerl lustig zwischen seinen Füßen baumeln ließ. "Geh unter, Welt, und störe / Nimmer die süßen,


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