Nach Tonband singen

JULIA ORTNER | Stadtleben | aus FALTER 12/02 vom 20.03.2002

MUSIK. Sie treten im Stephansdom oder bei den Festwochen auf: der Josef-Labor-Chor, 24 musikalisch begabte Amateure. Ein ganz normaler Chor - nur dass hier Blinde und Sehende gemeinsam singen. 

Wir machen Musik. Sie auch? Wir suchen Damen und Herren aller Stimmlagen, die in unserem Chor mitsingen wollen." Immer der gleiche kurze Text in den Falter-Kleinanzeigen, seit fünf Jahren, einmal die Woche. Hermann Ungerböck, Pensionist und Chorchef, denkt sich etwas dabei, wenn er das Inserat derart knapp hält. Er möchte keinen Musikinteressierten von Vornherein abschrecken, sich den Chor einmal anzusehen. Denn der Josef-Labor-Chor ist zwar ein ganz normaler Singverein - das Außergewöhnliche ist nur, dass hier Blinde und Sehende gemeinsam Musik machen. "Ich habe schon erlebt, dass Leute interessiert anrufen, mitmachen wollen und dann ihr Interesse schnell wieder verlieren, wenn ich erzähle, dass blinde Leute bei uns singen", erzählt der 62-jährige Ungerböck, selbst blind.

  Ihm und seinen

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