Sprachlos in Wien

Politik | JULIA ORTNER | aus FALTER 13/02 vom 27.03.2002

INTEGRATION. Die Bundesregierung zwingt Zuwanderer, Deutsch zu lernen. Und arbeitet dabei mit dem alten Gastarbeiter-Klischee vom Ausländer, der nicht Deutsch sprechen will - einem Bild, das meistens nicht zutrifft. 

Ja, den Stephansdom kennt sie. Am Kahlenberg war sie schon. Riesenrad und Schönbrunn hat man auch irgendwann absolviert. Aber dann hören Emina Egelis Erfahrungen mit den Sehenswürdigkeiten der Weltstadt Wien auch schon wieder auf. Seitdem sie ihren Job als Näherin vor Jahren verloren hat, ist Frau Egelis Welt noch enger geworden: einkaufen gehen, die Kinder besuchen, den Haushalt in Ordnung halten, ab und zu Bekannte aus der alten Heimat treffen. Theater oder Kino kennt die gebürtige Kurdin nicht, in der Oper war sie noch nie - obwohl sie seit 1973 gemeinsam mit ihrem Mann in Wien lebt. "Wenn man schlecht Deutsch spricht, ist man hier ziemlich einsam", sagt die Fünfzigjährige. In der gemütlichen kleinen Ottakringer Gemeindebauwohnung hat sie erst wenige österreichische


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