Reden wir darüber!

DANIEL KEHLMANN | Kultur | aus FALTER 13/02 vom 27.03.2002

Literatur. Mit "Liebe usw." hat Julian Barnes eine mehr als gelungene Fortsetzung seines vielstimmigen Romans "Darüber reden" geschrieben. 

Es verblüfft immer wieder, wie viele Möglichkeiten für Experimente die Gattung des Romans bietet. Ein solches - ebenso ungewöhnliches wie unterhaltsames - war die Form von Julian Barnes' 1991 erschienenem "Darüber reden": Erzählt wurde damals die Dreiecksgeschichte des Ehepaars Stuart und Gillian und ihres besten Freundes Oliver, der seinem Freund Stuart die Frau ausspannt. Barnes ließ die drei Hauptfiguren - und eine kleine Gruppe von Nebendarstellern - direkt zum Leser sprechen. Jede Figur argumentiert, stellt ihre Position dar und versucht mit mehr oder weniger Erfolg, den Leser auf ihre Seite zu ziehen. Keine Figur weiß, was die anderen erzählen, und dem Leser stellt sich die Frage, ob Gillian, Oliver und Stuart ihm gegenüber nicht genauso unehrlich sind wie untereinander. Am Ende dieser sich in verwirrender Widersprüchlichkeit vor

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