KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 13/02 vom 27.03.2002

Seit Kurt Schwitters steht der Begriff "Merz" für Ausuferung, Wucherung und unaufhaltsame "Verkunstung" von Räumen durch Basteleien aus gefundenem Material: Mit seinem Merzbau schuf Schwitters die erste Rauminstallation des 20. Jahrhunderts und prägte Generationen von Künstlern. Während eine Reproduktion der Grotten- und Höhlenarchitektur des Dadaisten zurzeit im Kunstforum Bank Austria besichtigt werden kann (bis 16.6.), wird in der Kunsthalle am 4. April ab 20 Uhr drei Tage lang ein Sturm des Noise-Künstlers Masami Akita alias Merzbow über die Environments der Japanerin Yayoi Kusama hinwegbrausen. Im Vorjahr brachte Akita mit dem australischen Label Extreme die fünfzig CDs umfassende "Merzbox" heraus, die in der Kunsthalle in voller Länge gespielt werden wird. Zu Beginn und am Ende der Session wird jedoch der Meister persönlich jeweils eineinhalb Stunden Hand ans Low-Tech-Equipment - unter anderem kaputte Kassettenrekorder, defekte Gitarren und Verstärker - legen und ihm "schroffe, monolithische Noise-Texturen, sägende Stakkato-Riffs, bedrohliches Knistern, Rückkoppelungsexzesse und Ambient-Klanghüllen" abwürgen.

  Um in die aktuelle Ausstellung des Schweden Jacob Dahlgren in der Galerie Wintergarten (bis 13.4.) zu gelangen, hat man auch eine Rauminstallation zu durchqueren, ja regelrecht zu durchklettern: Das verspiegelte Gerüst wirkt so zerbrechlich, dass man vor Angst, etwas zu zerbrechen, ganz schön ins Schwitzen gerät. Erst im nächsten Raum kann man die Installation als Ganzes sehen und sich über die Windungen und gequälten Gesichter der Nachkommenden freuen.


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