NÜCHTERN BETRACHTET: Mein stumpfblauer Frühjahrsmantel

Kultur | aus FALTER 13/02 vom 27.03.2002

Gerne habe ichs, wenn man was Schönes zu mir sagt. Das muss jetzt nicht unbedingt in Richtung "Mach mir ein Kind, Fremder" gehen, ich bin auch schon ganz dankbar, wenn sich die Leute bedanken, denen ich die Schwingtür einer Otto-Wagner-U-Bahn-Station aufhalte - sagen wir, Margaretengürtel oder auch Stadtpark, eventuell auch Unter St. Veit oder sogar Braunschweiggasse. Aber auch scheinbar ganz schlichte Sätze können meinem Alltag ein kleines Glanzlicht aufsetzen, ja diesen zu einem irisierenden Funkeln verhelfen, das an Spiegelsäle voll der kristallenen Lüster und der raschelnden Röcke bowlebesoffener Damen denken lässt - wenn man will. So machte mich etwa erst unlängst die Verkäuferin eines Geschäftes, in dem ich einen stumpfblauen Frühjahrsmantel zu erstehen suchte, darauf aufmerksam, dass das begutachtete, aus hundert Prozent Baumwolle bestehende Stück Popeline-Qualität aufwiese. Alle Wetter, dachte ich, wie lange hatte ich den Verweis auf Popeline-Qualität, ja die Erwähnung


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