VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 14/02 vom 03.04.2002

... bezeichnete Thor Heyerdahl die Musik von "Leider keine Millionäre" als "minimale Schlager".

Beschleunigung ist das Kennzeichen der modernen Zivilisation. Man kann das in jedem Lebensbereich nachweisen. Schnell ist das moderne Leben, und Verkehrsmittel aller Arten, der Fortbewegung wie der Kommunikation, sind bestimmend in sein Zentrum getreten. Die Nummern auf der Platte "Was zählt" der Gruppe "Leider keine Millionäre" (Wolfgang Kos und Edek Bartz) befassen sich mit Situationen in Verkehrsmitteln. "Sprich mit dem Fahrer während der Fahrt", "Die Schwimmweste ist unter dem Sitz", "Wer nicht weggeht, kommt nie an" sind Verhaltensmaßregeln für den Individual- und Massenverkehr. Geräusche von Eisenbahn und Telefon bilden nicht nur Material, sondern Struktur ganzer Titel. Die Texte variieren spielerisch den Ausgangspunkt. Kaum merkt man, dass sie ihn, statt vor sich herzusagen, verschieben, ist das Lied vorbei. Als "minimale Schlager" könnte man die Musik von "Leider keine Millionäre" bezeichnen, womit ein Einwand angedeutet ist. Anders als fragmentarisch und gebrochen lässt sich nämlich nicht mehr produzieren. Das Fragment aber ist nur erlaubt, wenn darin noch etwas von der leidvollen Erfahrung eingegangen ist, dass ihm die Möglichkeit fehlt, mehr zu sein. Laut Covertext gelten auch für Kos und Bartz "die Regeln des Spiels". Gerade die, meine ich, wären aufzuheben.


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