Bereit, hineinzuschießen

Politik | REINHOLD ECKFELD | aus FALTER 14/02 vom 03.04.2002

NS-VERBRECHEN. Nach seiner Flucht schreibt sich ein von Nazis verfolgter Schüler seine letzten Monate in Wien von der Seele. Er beschreibt dabei Gespräche österreichischer Beamter und die Erniedrigungen durch Schulfreunde, die plötzlich in SS-Uniformen vor ihm standen. Auszüge aus einem raren, nun wiederentdeckten Bericht. 

Im November 1938 wird in Paris in der deutschen Gesandtschaft der Legationsrat von Rath von einem 18-jährigen deutschen Juden namens Grünspan angeschossen, der Prozess wird niemals begonnen. Am 9. November stirbt von Rath. Am 9. November nachmittags gehe ich mit M. durch die Liechtensteinstraße. M.: "Das wird jetzt wieder ziemliche Nachteile und Schäden für die Juden nach sich ziehen." Ich: "Das ist ja zu erwarten, dass jetzt wieder mal so eine Judenverfolgungswelle eintreten wird, na, sie werden auch das noch überleben."

  Wie ich die Schegargasse hinaufgehe, sehe ich Menschengruppen stadteinwärts die Billrothstraße hinuntergehen. Einige SS-Männer gehen


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