Pathos, Punk & Poesie

GERHARD STÖGER | Kultur | aus FALTER 14/02 vom 03.04.2002

MUSIK. Die Doppel-CD "Land (1975-2002)" bietet einen Überblick über das musikalische Werk der Rock-Poetin Patti Smith. 

"I haven't fucked the past

but I've fucked plenty with the future."

(Patti Smith: "Babelogue", 1978)

Am Anfang war das Wort, und es ließ an Deutlichkeit nur wenig zu wünschen übrig. "Jesus died for somebody's sins but not mine", deklamierte Patti Smith 1975 im Intro ihres Debütalbums "Horses", bevor sie sich in eine ekstatische Version des Van-Morrison-Songs "Gloria" stürzte. Von John Cale produziert und mit einem prägnanten Coverfoto ihres Freundes Robert Mapplethorpe versehen, wurde "Horses" nicht nur umgehend zum Klassiker. Die in Chicago geborene Sängerin wurde auch zu einem frühen Role-Model selbstbewusster weiblicher Artikulation innerhalb der weitgehend von misogynem Macho-Gehabe geprägten Rockkultur; mit ihren von Arthur Rimbaud und Jim Morrison geprägten Songs wurde Smith zur "einzigen wahren Schamanin im Rock" (Village Voice) und der ersten weiblichen

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