KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 14/02 vom 03.04.2002

Einen Anlass, wieder einmal ins Technische Museum zu gehen, bietet derzeit die Ausstellung "Nach der Natur" der österreichischen Architekturfotografin Margherita Spiluttini (bis 22.9.). Hier durchquert man Hallen voller Edutainment-Gelegenheiten, Relikte der Schwerindustrie und Dampfloks, um im ersten Stock auf Fotos der St.-Gotthard-Bahn, der Silvretta-Hochalpenstraße oder des Erzbergs zu stoßen. Ingenieurskunst als Land-Art: An sich scheußliche Eingriffe in die alpine Bergwelt erscheinen in Spiluttinis menschen-, zug- und autoleeren Aufnahmen ungeheuer ästhetisch. Hier gewinnen Betonpfeiler die skulpturale Wucht von Felswänden und die Einfahrten von Straßentunnels etwas von natürlichen Höhlen. Durch die Verwendung einer Plattenkamera sind Spiluttinis Bilder so scharf, dass man in einer Geröllhalde jedes Steinchen sieht. Gleichzeitig verleiht gerade diese Präzision den Arbeiten etwas hochgradig Artifizielles und die vielen Überlegungen und Prozesse, die einer Aufnahme vorangehen, werden indirekt sichtbar.

  Zwei Schwarz-Weiß-Fotos von Ödlandschaften hängen momentan auch im Kunstbuero (bis 20.4.). Die Russin Maria Serebriakova, Jahrgang 1965, fotografierte in Nordchina Hügelgräber, die eher an Stätten zur Gewinnung von Bodenschätzen als an Friedhöfe denken lassen. Nach dem Motto "Wüstenlandschaft trifft auf Medienwüste" stellt die Künstlerin den Fotos eine Videoinstallation gegenüber, die auf raffiniert-einfache Weise Fernsehbilder abstrahiert. So bleiben von der bis in den letzten Winkel der Welt vordringenden TV-Kultur nur mehr Gebrabbel und Pastelltöne übrig.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige