Tierische Liebe

MICHAEL LOEBENSTEIN | Kultur | aus FALTER 14/02 vom 03.04.2002

FILM. Der mexikanische Debütfilm "Amores Perros" entwirft einen gewaltigen Bilderbogen vom Leben und Leiden in Zeiten der Globalisierung. 

Sind die Zeiten grimmig, werden die Metaphern animalisch. Um zu ahnen, dass die Spätphase des entfesselten globalen Kapitalismus eine Welt gnadenloser Wadlbeißer hervorbringt, muss man nicht erst "Dog Eat Dog" sagen. Und dass sich die "Dritte Welt", geprägt von der jahrzehntelangen Herrschaft autoritärer Regimes, zuletzt in einem nur vermeintlich fortschrittlicheren Zerfleischungszustand befindet, lässt sich mit dem zynischen Titel eines Exploitation-Klassikers bebildern: "Mondo Cane" - die Welt als Tollhaus armer Hunde.

  Beide Metaphern verdichten sich in "Amores Perros", dem international enorm erfolgreichen Spielfilmdebüt des mexikanischen Werbefilmers Alejandro González Iñárritu, zu jeweils eindrücklichen Sequenzen: wenn zwei Manager in Anzug, Hemd und Krawatte sich etwa keuchend und geifernd am Fußboden wälzen und um eine Pistole

  523 Wörter       3 Minuten
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