Achtung, Opfer!

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 15/02 vom 10.04.2002

JUSTIZ. Justizminister Böhmdorfer will den Opfern von Straftaten endlich helfen. Doch Experten trauen ihm nicht. 

Die Frau wurde in ihrem Stiegenhaus brutal zusammengeschlagen. Sie verlor dabei ein Auge. Der Täter wurde vom Staat mit großem Aufwand verfolgt. Um die Frau kümmerte sich niemand. Im Gegenteil: Kurz nach der Tat bekam sie eine Mahnung ihrer Hausverwaltung. Sie solle endlich die Reinigung des blutverschmierten Stiegenhauses bezahlen.

  Eine andere Frau wurde Opfer eines Mordversuchs. Ihr Peiniger bekam 16 Jahre. Zwei Drittel der Strafe hat der Mann bereits abgesessen. Er könnte jederzeit entlassen werden. Doch die Frau hat kein Recht zu erfahren, wann der Mann vielleicht wieder vor ihrer Tür stehen wird.

  Opfer haben es in Österreich nicht leicht. Ihre Rechte im Strafverfahren sind minimal. Das hat historische Gründe: Bereits im Absolutismus zog der Staat den "Strafanspruch" der Opfer an sich, um Blutrache und Fehden im Sinne des öffentlichen Friedens zu verhindern.


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