Kommentar: Kein Nachruf auf Franz Endler

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 15/02 vom 10.04.2002

Am vergangenen Freitag ist der Wiener Kulturjournalist und Musikkritiker Franz Endler gestorben. Er war 65 Jahre alt. Abgesehen davon, dass mir sein Tod in Erinnerung gerufen hat, dass auch Kritiker sterben müssen, hat mich der Nachruf, den Endler im Kurier auf sich selbst geschrieben hat, seltsam berührt.

Da Kritiker bekanntlich immer das letzte Wort haben und ihre Kollegen meistens für inkompetent halten, erscheint es einerseits konsequent, wenn Endler auch in diesem Fall keinen anderen ranlassen wollte. Andererseits muss man als Journalist schon sehr fanatisch oder sehr verzweifelt oder beides sein, wenn man noch im Angesicht des Todes an die Zeitung denkt.

Was schreibt einer, der mehr als vierzig Jahre lang fast täglich über andere geschrieben hat, im letzten Zweispalter über sich selbst? Erstaunlicherweise kein Wort über seine Texte, seine Familie oder sein Metier. Nur Namen. Endler erwähnt einige Chefredakteure und, vor allem, einige Künstler, die ihn geschätzt, die mit ihm


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