DER ROMAN: Eine Sachertorte für Dolfi


KLAUS NÜCHTERN

Kultur | aus FALTER 15/02 vom 10.04.2002

Das Ende von Madeline Aschers Geschichte, soweit wir sie kennen, besteht darin, dass die mittlerweile 60-Jährige in Chicago lebt und in einer Putzerei arbeitet. Auf Seite 43 dann, auf der Madeline zusehen muss, wie ihr Bruder R(oder)ick an einem Stück Pizza erstickt, hat Marlene Streeruwitz' Roman "Partygirl." seinen gegenwartsnähesten Punkt erreicht. Vom Oktober 2000 geht es im Rückwärtsgang bis in den Juni 1950, wo die zehnjährige Madeline (sprich: "mädlin") in Baden gerade eine Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium absolviert und unter anderem eine Grammatikaufgabe lösen muss. Der zu analysierende Satz, der den Roman beschließt, lautet: "Karl, der stärkste Schüler der Klasse, war mein Beschützer."

  Das Versprechen, das in einem solchen Satz liegt, hat sich in Madelines Leben allerdings nicht erfüllt. Keine Beschützer weit und breit. Auch der allem Anschein nach inzestuös begehrte Bruder entzieht sich und überlässt seine Schwester der "Obhut" einer Reihe von mitunter recht

  680 Wörter       3 Minuten
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