AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KLAUS TASCHWER | aus FALTER 15/02 vom 10.04.2002

Zwischen 1921 und 1928 verpasste er keine einzige Vorlesung von Karl Kraus, seinem wichtigsten Lehrer. Dennoch wurde der 1905 in Czernowitz geborene Erwin Chargaff Biochemiker, ging in die USA und schuf durch seine Entdeckungen wesentliche Voraussetzungen für das heutige Wissen über das Genom. Erst nach seiner Emeritierung an der New Yorker Columbia University, als Chargaff bereits über siebzig war, begann er zu schreiben - und wie! In mehr als einem Dutzend Büchern (u.a. "Das Feuer des Heraklit" oder "Ein zweites Leben") geißelte er seither mit geradezu alttestamentarischer Wut die modernen Naturwissenschaften und andere vermeintliche Fortschritte. Eine aphoristische Essenz aus Chargaffs beeindruckendem essayistischem Werk liegt nun mit dem "Brevier der Ahnungen" vor, das seinem Lehrer Kraus gewiss keine Schande macht. Geordnet nach 16 klug zusammengestellten Themenkreisen finden sich in diesem Chargaff-Brevier allerlei funkelnde Aperçus und tiefe Einsichten über die Forschung,


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