STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 15/02 vom 10.04.2002

Joe Darrow, gestresster Notfallarzt aus Chicago, trauert um seine Frau, die bei einem Rot-Kreuz-Einsatz in Venezuela tödlich verunglückt ist. Schlimm genug, dass ihr Leichnam nie gefunden wurde, doch zudem wird Joe von merkwürdigen Angstträumen, Stimmen und Erscheinungen geplagt: von Libellen zum Beispiel, die wie aus dem Nichts auftauchen, im Dunkel gegen das Fenster klatschen und wieder abschwirren. "Libellen", lässt die deutsche Synchronfassung ihn einmal sagen, "waren einfach ihr Ding."

  Um die Sache abzukürzen: "Im Zeichen der Libelle" (Original: "Dragonfly") ist unser Ding nicht. Regisseur Tom Shadyac, der bislang vor allem mit Grotesken zu reüssieren wusste, bleibt seinem Fach (ungewollt) treu, und das ist auch schon das Beste, was man von diesem in jeder Hinsicht jenseitigen Thriller behaupten kann; fein gedrechselte Dialoge ("Wo bist du, Joe?" - "Nirgendwo. Ich geh jetzt") und sagenhafte Darstellungskunst (Kevin Costner) halten einander die Waage, bevor am Ende ein unfreundlicher Papagei und rätselhafte Kinderzeichnungen den leidgeprüften Joe in den südamerikanischen Dschungel führen - wo eine kleine Überraschung auf ihn wartet.

  Um anwesend Abwesende geht es u.a. auch in "Nahaufnahme", dem aktuellen Programm aus der Sixpack-Reihe "Home Stories". So etwa in Joerg Burgers schönem Porträt der Fotokünstlerin Michaela Moscouw ("Moscouw"), die zwar während des ganzen Films zu hören, aber nie vor der Kamera zu sehen ist. Genauso in "The Fancy" von Elisabeth Subrin (USA 2000), einer experimentellen Videodokumentation, die Leben und Freitod der Fotografin Francesca Woodman rekonstruiert. (Zu sehen im Filmcasino, 11.4., 22 Uhr)


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