Fragen Sie Frau Andrea: Bares

Stadtleben | aus FALTER 15/02 vom 10.04.2002

Geschätzte Frau Andrea,

warum heißen originell klingen wollende In-Lokale in Wien und anderswo immer wieder "Wunderbar" oder "Sonderbar" und nicht etwa "Brauchbar", "Erreichbar" oder "Genießbar"?

Beste Grüße,

Andreas Weikersdorf, Internet

Lieber Andreas,

schon seit Jahren beschäftigen sich Experten mit diesem Problem, das in linguistischen Kreisen in Deutschland als das "Affige-Kneipennamen-Problem" bekannt ist. Kristallisationskeim dieser und ähnlicher Forschungsbewegungen ist die Inflation von Lokalen, die sich nach der Berliner Off-Theaterbühne "Bar Jeder Vernunft" nennen. Aber auch Wien ist seit jeher ein guter Nährboden für Lokalnamen mit spaßkultureller Färbung. Schon unsere Urgroßeltern mögen einen humoristischen Mehrwert darin erblickt haben, sich in einer Gaststätte namens "Gösser Bierklinik" aufzuhalten. Die von Ihnen eingemahnte "Brauchbar" wäre sicherlich ein Schritt in eine sachlichere Richtung. Lokale mit dem Namen "Erreichbar" müssten allerdings über die ganze Stadt verteilt werden. Am besten an jede Ecke eines! Als Proponentin des Individualismus ginge ich lieber in die "Genießbar". Als Single würde ich mich auch hin und wieder in der "Ansprechbar" wohl fühlen, empfähle mir als ehemaligem Opfer des Alkoholabusus sogar ab und an ein Gläschen Soda gespritzt in der "Verzichtbar". Verschwiegen wie ich bin, hielte ich es auch in der "Unsichtbar" gut aus. Ich träfe dort nicht nur Spione und Geheimdienstler, sondern auch Kolleginnen mit Faible für Seitensprünge. Exklusives Service, auch für Daheimgebliebene, könnte man von der "Zustellbar" erwarten, während die "Denkbar" wohl eher philosophisches Publikum anzöge. Erdnäherem Publikum sollte man guten Gewissens eher zur "Bezahlbar" raten.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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