STANDPUNKT: Dumpfbacken!

Politik | aus FALTER 16/02 vom 17.04.2002

Es war schon gespenstisch. Vor dem Heldentor stehen Glatzköpfe mit "Ordner"- Schleifen neben der Polizei und selektieren jene Passanten, die auf den Heldenplatz durchgelassen werden. Langhaarige mussten draussen bleiben. Wiens Neonazi-Szene trat nach jahrelangem Schweigen anlässlich der Wehrmachtsausstellung wieder in Erscheinung. Doch wer die rund 100 pubertierenden Glatzen stramm stehen sah, konnte nur den Kopf schütteln. Ein Haufen Dumpfbacken, ein paar Schmissige, die die Glatzköpfe mit "Männer! Ruhe!"-Befehlen vor dem Verbotsgesetz schützen wollten. Ganz ist es ohnedies nicht gelungen. Nach der Demo marschierten die Kameraden durch die Innenstadt, schrien Naziparolen und hoben die Hand zum Hitlergruß. So weit, so schlimm. Doch der Faschismus hat in der Stadt deshalb nicht Einzug gehalten. Die Linke demonstriert trotzdem und zu Recht. In Deutschland macht sie die Nazis mittlerweile mit Karnevalszügen lächerlich. In Wien steckt man in den Achtziger Jahren. Anstatt sich als intelligentere und witzigere Szene zu präsentieren (wie vor zwei Jahren bei der Opernballdemo, als sich Hubsi Kramar als Hitler verkleidete), wird die Polizei mit Steinen beschossen. Das Ergebis: Die Polizei bringt heimliches Verständnis für die "braven" Rechten auf und sorgt nicht mehr dafür, ihre skandalösen Züge durch die Innenstadt sofort aufzulösen. F. K.


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