WELT IM ZITAT

Kultur | aus FALTER 16/02 vom 17.04.2002

Die kalte Dusche der Realität

Fast alle Gedichte sind pointiert und mitreißend rhythmisiert, manche könnten geradezu in einem kritischen Volksvermögen Aufnahme finden. Sie schlagen keinen Metaphernschaum, sondern kommen aus der Dusche politisch-sozialer und zwischenmenschlicher Realitäten, dem Tröpferlbad sprachlicher, medialer Elementarteilchen, die der Dichter aufklatschen lässt.

Im Standard schlägt Klaus Zeyringer Metaphernschaum zu Gerhard Ruiss' Gedichten.

Tanz den Urknall

Die vier Jahreszeiten sind ein Kreis, der sich schließt. Im Anfang war das Chaos. Und am Ende. Was die Denker, was die Künstler sich wünschen, es wird eintreffen, so die Physiker.

Worum gehts? Selbstverständlich um Vivaldis "Vier Jahreszeiten".

Herbst ist die Zeit der Ernte. Wo geerntet wird, da wird gekämpft. Eine dekadente Society lebt von der Arbeit anderer, wirft sich und andere in den Tod, da sie keine Werte mehr kennt. Übergang in den Winter, kosmische Nacht, der Urknall geht weiter, die Materie fliegt immer weiter auseinander - der schwarze Himmel mit den Sternen zeigt diese ewige Bewegung, Abstoßung, die zueinander finden bloß in ästhetischer Organisation, in der Harmonie der Kunst, die Gegensätze zu versöhnen mag, Black.

Und wer das alles schon immer als "lasergraphisches Ballett" sehen wollte, der muss jetzt das Landestheater Salzburg besuchen.

Auf gutes Gelingen!

Zugegeben, die aufgesetzte Medienkritik zieht flauschig flau durch den Spannungsbogen, der sich teilweise als kinoactionhistorisches Patchwork entpuppt. Dafür hat das komödiantische Element zumindest so viel Durchschlagskraft wie jenes dauerknatternde Wundergewehr, um das es hier (auch) geht ...

Flauschiger als Rudolf John kann man "Showtime" nicht beschreiben.


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