Yehuda Lerner lächelt

MICHAEL OMASTA | Kultur | aus FALTER 16/02 vom 17.04.2002

FILM. In "Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr" erzählt ein Überlebender vom Aufstand im nationalsozialistischen Vernichtungslager Sobibor. Claude Lanzmann sprengt die Grenzen des Dokumentarfilms und zeigt, was Kunst kann. 

Der höchste Preis freilich wurde von den Preiswürdigsten erlegt: von den wenigen Frauen und Männern, die im Ghetto oder im Vernichtungslager den Tod an sich heranrissen und sich als Entmachtete, Entwaffnete zu Rächern machten.

Jean Améry

Langsam hebt er die rechte Hand über den Kopf. Mit einer schneidenden Bewegung, verstärkt durch einen ruckartigen Vertikalschwenk der Kamera, saust sie nach unten. "Die Axt landete mitten auf seinem Schädel. Ich kann behaupten, dass ich ihm den Schädel spaltete. Es war, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes getan, als wäre ich ein Spezialist."

  Yehuda Lerner war 16 Jahre alt, als er den SS-Aufseher namens Greischütz mit einer Axt fällte. Allein durch seine Erzählung, das lebendige Wort und die entschiedene Geste

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