KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 16/02 vom 17.04.2002

Vor ein paar Jahren tauchte das englische Hochglanzmagazin Wallpaper auf und mit ihm Bilder von Models vor modernistischen Hochhäusern in Afrika und Südamerika: In Zeiten der Globalisierung wurde hier ein längst ad acta gelegter Internationalismus herbeizitiert. Besonders gut kamen auf solchen Fotos durchbrochene ornamentale Betonfassaden, deren Strukturen im Süden jedoch weniger Dekorations- als Sonnenschutzzwecken dienen. Mit der Einladungskarte zu seiner Ausstellung in der Galerie Grita Insam (bis 27.4.) spielt Peter Sandbichler auf diese Art von Inszenierungen an. Die ironische Geste wird jedoch erst im Galerienraum selbst deutlich, denn Sandbichlers mit einer coolen jungen Frau fotografierte Holzskulptur hat nichts von Retro-Look an sich: Ungeschliffen und noch mit den Zeichen des Sägewerkes versehen, erinnert das Gitter nur sehr entfernt an die Strenge funktionalistischer Bauten oder die Raster der Minimal Art.

  Das Besondere an Sandbichlers Holzgeflecht besteht darin, dass es ohne Leim und Nägel zusammenhält. Wie alle seine Arbeiten entwarf und plante der Künstler auch diese am Computer. Wozu etwas noch wirklich bauen, was man schon in der Kiste visualisiert hat? Die Übersetzung vom virtuellen in den realen Raum und auch die Produktion mit den eigenen Händen ist für Sandbichler, der früher mit den Medienkünstlern Knowbotic Research und Constanze Ruhm kooperierte, wieder wichtig geworden. Auch die Verwendung von Polyester - Gift hin oder her - scheut der Gironcoli-Schüler heute nicht mehr und lässt Farben durch das semitransparente Material leuchten. Ach ja, Farben: "Früher habe ich ja nur mit Licht gearbeitet", meint der Virtual-Reality-müde Künstler geläutert lächelnd.


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