VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 17/02 vom 24.04.2002

... berichtete Mario Prinz von einer Malaktion für Behinderte des Künstlers Walter Jaworksi (Jawo).

Jawos Hauptansatzpunkt ist darin zu sehen, dass er die Sprache als von der Gesellschaft streng normiertes Ausdrucksmittel sieht. Dagegen ist die Bildsprache den gesellschaftlichen Normen und Wertigkeiten noch nicht unterworfen, sie wurde noch nicht interpretierbar gemacht.

  Das Ausdrucksmittel Malen impliziert nonverbales Kommunizieren, da die Teilnehmer der Malaktion auf großformatigen Plakaten in Gemeinschaft mit anderen malen und sich auf diesem Weg mit dem Gegenüber auseinander setzen müssen.

  Ziel des Malens ist aber nicht, Störungen ganz einfach wegzutherapieren, das heißt gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten zu beseitigen, sondern den Behinderten soll geistige Anregung geboten werden. Die Behinderten werden als gleichberechtigte Kommunionspartner gesehen: So steht auch nicht das Endprodukt des Malens im Vordergrund, sondern der eigentliche Vorgang des Malens - der Prozess.

  Der entstandene soziale Kontakt der Behinderten untereinander wurde durch die spätere Einbeziehung von nicht behinderten Kindern ausgeweitet. Der problemlose Umgang mit Nichtbehinderten hat m. E. Einfluss auf bestimmte Verhaltensänderungen der behinderten Kinder.

  Wenn wir am Ende der Malaktion die Werke betrachten und die Entwicklungen verfolgen können, die die Kinder durchgemacht haben, können wir erkennen, dass ein Austauschprozess stattgefunden hat. So malte vor den Ferien der sechsjährige Junge (nichtbehindert), nachdem er Blumen und Häuser malte, plötzlich ein Plakat vollständig mit blauer Farbe an und ließ nur in einem Eck des großen Blattes einen kleinen weißen Punkt frei. Damit wollte er, wie er sagte, das Weltall und ein Raumschiff darstellen.


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