SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 17/02 vom 24.04.2002

Die schlechte Nachricht: Alter schützt weder vor Zwängen noch vor Begehren. Und dass im Laufe der Jahre Schrullen und Gebrechen zunehmen, ist für einen selbst vielleicht erschreckend. Die gute Nachricht: Für andere kann das sehr unterhaltend sein. Mit "Seid nett zu Mr. Sloane" ist die junge englische Dramatik (allerdings die der Sechzigerjahre) in angemessener Gestalt im Theater in der Josefstadt angekommen: als Komödie der verklemmten Alterssexualität. Regisseur Günter Krämer, der das altehrwürdige Haus gerne ein bisschen aufmischt, besetzt Joe Ortons strenges Kammerspiel um einen jungen Untermieter, um den sowohl der Bruder als auch die Schwester des Hauses mit aller Peinlichkeit buhlen, mit einem überalteten, aber kindlich gebliebenen Geschwisterpaar. Selten war Helmuth Lohner so gelöst und pointiert wie als schwuler Frauenverachter. Ein wenig zu britisch mag man die zügige Inszenierung vielleicht finden: Man ist very amused über so viel Verklemmtheit - aber immer, wenn es hart hergehen müsste, gibt man sich zugeknöpft. Trotzdem: So sexy und so voller Elan war die Josefstadt schon lange nicht mehr.

  Die gute Nachricht: Karl Wozek und sein eingeschworenes Laienteam knien sich richtig rein in "(K)Einer flog über das Kuckucksnest" nach dem psychiatrie- und gesellschaftskritischen Roman von Ken Kesey, bekannt durch die Verfilmung aus den Siebzigerjahren. Mit Wiener Lokalkolorit und kabarettistischem Talent gibt Martin Oberhauser nun im Theater des Augenblicks den Jack Nicholson aus dem Gemeindebau. Die schlechte Nachricht: Was soll man von einer Inszenierung halten, in der sich die Insassen einer Irrenanstalt gerade dann frei fühlen, wenn sie ein Wolfgang-Ambros-Konzert simulieren? Ein Abend wie ein Zeitloch: Schön, dass es noch so engagiertes Theater gibt, das den aufklärerischen Charme einer Studentenbühne ausstrahlt. Aber, um mit Falco zu anworten: Vorbei is vorbei, Baby Blue - und es ist schon verdammt lang her, dass der Wolferl ein Guter war.


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