In den Pläsierkasernen

MICHAEL LOEBENSTEIN | Kultur | aus FALTER 17/02 vom 24.04.2002

FILM. Im Filmmuseum kann man mit dem Philosophen und Filmkritiker Siegfried Kracauer (1889-1966) einen wunderschönen Ausflug in die Kinematographie der Zwanziger- und Dreißigerjahre unternehmen. 

Der Film ist innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft eine Ware wie andere Waren auch. Er wird nicht im Interesse der Kunst oder der Aufklärung der Massen produziert, sondern um des Nutzens Willen, den er abzuwerfen verspricht." So beginnt Siegfried Kracauer, der renommierte Filmkritiker der Frankfurter Zeitung, 1932 eine Erklärung vor einer Tagung von Lichtspieltheater-Besitzern. Ein guter Einstieg, fürwahr, um von der Bedeutung des Kinos zu sprechen, von dessen "außerordentlich wichtigen, gesellschaftlichen Funktion", seiner gesellschaftlichen Bedeutung, die "gar nicht überschätzt werden kann" (Kracauer).

  Was zunächst wie ein Widerspruch klingt - die Profanität des industriellen Massenprodukts "Film" einerseits und die Behauptung einer keineswegs nur ökonomischen Relevanz andererseits

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