Die Sonne scheint nicht!

Kultur | HELMUT GOLLNER | aus FALTER 17/02 vom 24.04.2002

LITERATUR. Mit "Andachtsbilder & goldene Worte" legt Karl Ferdinand Kratzl das unheilige Brevier eines Ungeheilten vor. 

Wenn alle sagen, dass die Sonne scheint, dann muss doch einer aufstehen und das Gegenteil behaupten. Meine Damen und Herren: Die Sonne scheint nicht!" Es gibt keine Sonne, auch wenn es draußen hell ist. Es gibt keine Welt, auch wenn wir in ihr wohnen. Es gibt keine Liebe, auch wenn sich Männer und Frauen ständig in den Armen liegen. Also: Auch wenn wir lachen müssen - Kratzl ist nicht lustig.

  Karl Ferdinand Kratzl legt sein zweites Buch vor (und hat Material für weitere längst in der Lade): "Andachtsbilder" sind alphabetisch geordnete Weisheiten mit und ohne Erkenntnis, das unheilige Brevier eines Ungeheilten. Kratzls Strategie gegen sein Unheil ist Sarkasmus gegen alle Heilsversprechungen. Nicht nur im Titel, sondern auch in einer Vorbemerkung bietet er sein Buch böse als Evangelium an: "Unsere Gebete werden erhört werden. Mögen alle Wesen glücklich sein!


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