KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 17/02 vom 24.04.2002

In Australien heißt es, dass die Wunde schneller verheilt, wenn der Gebissene ein Haar des Hundes verzehrt, der ihn angefallen hat. Obwohl das Verspeisen von Tierhaaren hierzulande nicht geläufig ist, bezieht sich Katharina Struber mit dem Titel ihrer Ausstellung "Hair of the Dog" im offspace (bis 11.5.) auf diese Art von magischem Denken. Sich selbst einverleibt hat die Künstlerin offensichtlich Kunst aus den Siebzigerjahren: Ihr auf die rosa gestrichene Wand projiziertes Video, in dem sie sich schminkt und ihren Bart trimmt, steckt voller Referenzen auf feministische Klassiker. Etwa auf das Video "Representational Painting", in dem die amerikanische Künstlerin Eleanor Antin den Maler- gegen den Rougepinsel austauscht und die Kameralinse als Spiegel benützt; oder auf die Affenmasken, mit denen die Guerilla Girls bei Vernissagen auftraten, um die männerbündische Kunstwelt zu kritisieren. Auch die bärtige Zirkusartistin Jennifer Miller kommt einem in den Sinn, die Zoe Leonard zuletzt im "The Bearded Lady Calendar" in den Pin-up-Posen Marilyn Monroes verewigte.

  Nicht nur Haare, sondern auch zu lange Zähne können Frauen in etwas Monströses verwandeln: für Vampirinnen interessiert sich die Künstlerin und Autorin Judith Fischer, die derzeit in der IG Bildende Kunst (bis 3.5.) ihre Van Helsing'schen Forschungen präsentiert. Die Blutrünstigkeit des Themas konterkariert Fischer mit einer betont reduzierten Schau: Neben Texten an der Wand liegen auf Leuchttischen Dias mit Screenshots aus Videos und Filmen auf, die von Vampirinnen des Wiener Kunstbetriebes signiert wurden. Wem dabei noch nicht gruselt, dem sei die "vampiric video night" am 26. April ab 20 Uhr ans Herz gelegt.


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