STREIFENWEISE

Kultur | M. LOEBENSTEIN / M. OMASTA | aus FALTER 18/02 vom 01.05.2002

Es war einmal, lange vor unserer Zeitrechnung. Ein finster dreinblickender Geselle (Typ: "Barbar") schlurft ins Bild, um nur Sekunden später von einem Wurfstern gefällt zu werden: Mathayus, der furchtlose Wüstensohn (gespielt vom US-Wrestlingstar The Rock), zeigt anschließend dem Rest der ungepflegten Horde, was Sache ist. Heilige Streitaxt! Die übrigen neunzig Minuten spielt "The Scorpion King" (Regie: Chuck Russell) in Ägypten, "lange vor den Pyramiden". Wer sich angesichts dieser Exposition an lustigen historischen und geographischen Pointen (Gomorrha ist ein Edelpuff in der Sahara, ein chinesisches Orakel hört auf den schönen Namen Kassandra) stößt, sitzt mit Sicherheit im falschen Film: einem augenzwinkernd ironischen, eher blöden Ableger der erfolgreichen "Mumie"-Serie nämlich, der sich im Unterschied zu seinen großen Geschwistern aber nicht für cleverer hält, als er ist.

  Eine junge Frau lässt ihr bisheriges Dasein hinter sich, reist nach Ägypten, durch Nacht und Wüste, und verschwindet schließlich ganz aus dem Blickfeld. In fragmentarischen Szenen und bestechend klaren Bildern erzählt "Ägyptische Finsternis", mit kleiner Besetzung (und noch kleinerem Budget) gedrehter Erstlingsfilm des Theaterregisseurs Ludwig Wüst, die Geschichte einer Flucht ohne Hoffnung. "Der Fall Franza", ein Romanfragment von Ingeborg Bachmann, diente als Textvorlage; die filmische Umsetzung jedoch ist durchaus eigenständig, von einem "dokumentarischen" Gestus und einer hervorragenden Hauptdarstellerin (Michaela Conrad) getragen. "Ich bin dreckig wie die Natur", hört man ihre Stimme aus dem Off einmal sagen, doch anstelle von Tierkadavern säumen heute verrottende Lastkraftwagen den Weg der Reisenden.


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