Stadtrand: Baumscheiß

Stadtleben | aus FALTER 18/02 vom 01.05.2002

Am Himmel ist die Hölle los. Zumindest an schönen Frühlingssonntagen, wenn grünhungrige Menschen sich ins Auto setzen, an den Stadtrand fahren und die Stadt, die sie bewohnen, von oben betrachten. Oder Bäume anschauen. Auf der Himmelwiese über Döbling befindet sich seit fünf Jahren eine sehr seltsame Einrichtung: der "Keltische Baumkreis". Auf dem windigen Platz wurden 40 "Lebensbäume" gepflanzt, und das Ganze hat offensichtlich irgendwas mit Esoterik, Mystik oder sonstigem Ritualkram zu tun. Abhängig vom Geburtsdatum sollen die Besucher hier "ihren" Baum finden. Via Hinweistafel werden die Eigenschaften von Baum, Baumkreiszeichen und Baumkreiszeichenbesitzer präsentiert. Manche Bäume sprechen sogar! (Ist das die Stimme von Miguel Herz-Kestranek, die da aus dem Apfelbäumchen plärrt?) Aber was heißt Bäume: Kleine verkümmerte Jungpflanzen sind das, die eigentlich noch zur Baumschule gehen sollten. Echte und wirklich eindrucksvolle Bäume gibt es in den Wäldern nebenan. Wer sich da sein Naturerlebnis unbedingt auf einem zugigen Ufo-Landeplatz holen muss, ist selber schuld. Der Themenpark am Himmel soll angeblich dazu einladen, die Seele "baumeln" zu lassen. Hilfe! Ob das die Bäumchen aushalten? Und wo bitte ist der Strick zum Seele-Festbinden? C. W.


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