Kein Recht zu sterben

Vorwort | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 19/02 vom 08.05.2002

KOMMENTAR. Dramatische Ereignisse und Urteile werfen die Frage auf: Wie weit kann und soll der Staat Leben schützen? 

"Staat ist Gewalt! Staat ist Gewalt!" Ich habe es noch im Ohr, aber nicht mehr in Erinnerung, bei welcher Kundgebung der erregte Citoyen seinen Slogan in meinen Gehörgang brüllte. Inhaltlich hat der Mann natürlich Recht. Unser Rechtsstaat gründet auf Gewalt, und wo sie nicht angewandt wird, ist sie zumindest als Potenzial präsent: Letztendlich hat der Staat das Zugriffsrecht auf unsere Körper, die er zwar nicht mehr foltern darf, aber zumindest einsperren und disziplinieren kann.

  Schon die Staatslehre von Thomas Hobbes gründete auf der Einsicht, dass der Mensch des Menschen Wolf ist, und die Macht daher einem Souverän übertragen werden muss, der das ungehemmte Ausleben dieser Wolfsnatur und den Krieg jedes gegen jeden unterbinden soll. Die Vorstellung, dass wir unsere Mitmenschen eigentlich nur ausbeuten und metzeln wollen, ist zwar ausgesprochen uncharmant,


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