Der Stadtneurotiker

Kultur | ROBERT ROTIFER | aus FALTER 19/02 vom 08.05.2002

MUSIK. Mobys neues Album "18" ist ein programmierter Millionenseller. Aber hinter der geschliffenen Partymusik stecken allerhand Neurosen und ideologische Konflikte. 

Die zutiefst unspektakuläre Ausgangslage: Ein unscheinbarer glatzköpfiger New Yorker Mitte dreißig namens Richard Melville Hall (er nennt sich Moby) sitzt in seinem Heimstudio und fügt aus diversen Samples, dem einen oder anderen Gitarren- oder Basspart und jeweils vier Keyboardakkorden Track um Track zusammen. Nach ein paar Monaten der privaten Tüftelei wählt er aus den 150 so entstandenen Songs die 18 besten aus und nennt sie sein fertiges Album, von dem er jetzt schon weiß, dass es - vom Club bis ins Einkaufszentrum - zur universellen Beschallung der Massen dienen wird.

  So ähnlich sah eine der populärsten Utopien der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre aus: der Sampler und die kompakte neue Technologie als Mittel zur Emanzipation des Wohnzimmerproduzenten, der sich an konkreten Referenzen aus dem


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