STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 19/02 vom 08.05.2002

Andere Ansichten" nennt sich eine dreitägige Veranstaltung der Medienwerkstatt Wien im project space der Kunsthalle am Karlsplatz: nachmittags Videoscreenings, abends Lectures, Performances und Personalen. Die erste davon widmet sich dem Medienkünstler Manfred Neuwirth; eine rare Gelegenheit also, seine so spröden wie faszinierenden Videoarbeiten (u.a. "Manga Train", "Magic Hour") als Stationen auf dem Weg einer kontinuierlichen audiovisuellen Befragung der Wirklichkeit kennen zu lernen. "Bilder der flüchtigen Welt" nennt Neuwirth dieses Projekt, das persönliche Impressionen mit Fragen nach dem Wesen kollektiver Erinnerung und einer Kritik industriell gefertigter Wiklichkeitseindrücke koppelt. Was kann man diesen entgegenstellen? Wie geht man etwa mit Aufnahmen des Krieges um, verleiht diesen "kurzartig aufgeheizten, bald wieder vergessenen Bildern" (Neuwirth) einen viel beschworenen Eigensinn? Fragen, die im Rahmen von Neuwirths Lecture entlang einiger Beispiele aus eigenen wie auch "fremden" Arbeiten diskutiert werden: Etwa Chris Markers "Le Fond de l'air est rouge", Terrence Malicks "The Thin Red Line" oder der Kamerabilder der NATO-Bomber über dem Kosovo.

  Das ebenfalls sehr empfehlenswerte Videoprogramm präsentiert am 13. und 14.5. ab 13 Uhr experimentelle österreichische Dokumentarvideos aus drei Jahrzehnten, darunter die zum Teil himmelschreiend komische Polit-Kompilation "Volks stöhnende Knochenschau" (1980-82) oder Anna Steiningers und Ilse Gassingers Analysen von Gewalt gegen Frauen.

Personale Manfred Neuwirth: 13.5., 20.30 Uhr im project space der Kunsthalle Wien am Karlsplatz.


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