Reise in die Rostmoderne

Kultur | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 19/02 vom 08.05.2002

DOKUMENTARFILM. Der Wiener Regisseur Johannes Holzhausen folgt einem alten sowjetischen Kriegsschiff auf seiner letzten Fahrt. "Auf allen Meeren" sucht, träumt und schreibt Geschichte, von der Wracks und Kitsch geblieben sind. 

In der Grauzone zwischen Zeitgeschichtsschreibung und kulturellem Gedächtnis, die das Fernsehen mit alten Schwarz-Weiß- und das Kino mit neuen Farbbildern bespielt, markiert die Titanic-Katastrophe von 1912 eine Art Auftakt zum 20. Jahrhundert: Als (touristische) Mobilisierung euphorischer Massen auf technischer Basis, die ins Massensterben führt, als solchermaßen "antizipierter Erster Weltkrieg" verkörpert sie den traumatisierenden Griff der Modernisierung nach dem kollektiven Leben. Der jüngste Titanic-Spielfilm macht deutlich, wie sich ein "altes Schiff" als medienkultureller Gedächtnis-Ort inszenieren lässt: Er stellt der Rekonstruktion einstiger Lebendigkeit, dem Schiff als bewegtem Ort vitalen menschlichen Treibens, ein totes Wrack als Bild ultimativer


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige