KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 19/02 vom 08.05.2002

Noch vor ein paar Wochen wurde gemunkelt, dass kein einziger österreichischer Künstler bei der vom 8. Juni bis 15. September in Kassel stattfindenden documenta 11 vertreten sein werde - ein Kassandraruf, den oft Grollen in Richtung Akademie der bildenden Künste begleitete. Schließlich sitzt am dortigen Institut für Gegenwartskunst documenta-Co-Kuratorin Ute Meta Bauer, von der sich viele mehr Initiative für die hiesige Szene erwartet hätten. Seit 30. April steht nun fest, dass sich mit der Fotografin Lisl Ponger wenigstens eine (Wahl-)Österreicherin unter den 118 Teilnehmern befindet.

  Im Vergleich zu London würde in Wien sehr wenig an alternativen Orten stattfinden, meint Silvio Salgado und sieht den Missstand als Chance: Gemeinsam mit Li Tasser organisiert der portugiesische Künstler die Ausstellungsreihe "Vienna International Apartment" in einer Privatwohnung beim Naschmarkt (6., Linke Wienzeile 4/1/7; bis 15.5.). Die dort gezeigten Arbeiten behandeln das Verhältnis von Innen- und Außenraum: So entwirft Gerhard Treml verspielte, mobile Architekturen von Containerbauten bis hin zu Vogelhäusern, während Susi Jirkuff in ihrem Animationsfilm "remote control" Bill Gates, Derrick, Pamela Anderson und Bruce Nauman über die posturbane Befindlichkeit philosophieren lässt; Nicolas Jasmin alias N.I.C.J.O.B. sampelt auf raffinierte Weise eine Szene aus dem Hollywoodschinken "Giganten". Im Unterschied zum Original trifft James Dean hier jedoch nicht auf eine Leiche, sondern auf ein Menge Fahnen und Cowboyhüte - ein patriarchales Szenario, von dem sich der jugendliche Held in N.I.C.J.O.B.s "In the bush of ghosts" immer wieder erschrocken abwendet. Empfehlung!


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