FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 20/02 vom 15.05.2002

Ein bissl unschuldig, ein klein wenig unbedarft, am besten noch ärmlich und bedürftig - aber tapfer. So sehen echte Quizkönige aus, mit denen die Massen vorm Fernseher bei der "Millionenshow" fiebern, meinte zumindest Deutschlands selbst ernannter Medienphilosoph Roger Willemsen, der in einer kleinen ORF-Doku über die bisherigen Quizkönige von Barbara "Nächstenliebe" Stöckl philosophieren durfte. Herzerweichende Schicksale wie das von der jungen Alleinerzieherin Nicole, die seit Jahren von Notstandshilfe leben muss, wurden da rührselig verbraten: Der sympathischen Frau konnte nicht einmal der übelste Neidhammel ihre 300.000 Euro missgönnen, als sie von schlimmen Zeiten erzählte. "Manchmal habe ich nicht gewusst, was ich meiner Tochter zu essen geben soll." Und auch Werkzeugmacher Andreas, ein echter Quizkönig, weil noch immer arbeitslos und sehr bescheiden lebend, lud Stöckl in sein Zimmer zu Hause ein. Genauso wie die erste 5-Millionen-Schilling-Gewinnerin, früher eine kleine Sekretärin, die mit dem ORF-Team auf die Uni ging und sich bei ihrem neuen Leben, dem Studieren, beobachten ließ. Gut, dass sie ihre Millionen schon hat. Intellektuelle werden nämlich nie echte Quizkönige.


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