Kommentar: Ein Platzkonzert gegen das Vergessen


KLAUS NÜCHTERN
Kultur | aus FALTER 20/02 vom 15.05.2002

"Warum", so fragt ein alter Witz, "ist der Rathausplatz der sauberste Platz von Wien?" Die Antwort lautet: "Weil der Bürgermeister täglich mit einem Fetzen drübergeht." Plätzereinigen ist sehr beliebt dieser Tage. Die Zeiten haben sich nämlich insofern geändert, als die Burschenschafter und Weltkriegsnostalgiker, die alten und neuen Nazis eh denken wie immer, aber nun das Gefühl haben, "es wieder sagen zu dürfen"; vorgetragen im larmoyanten Tonfall von Opfern eines linken Gesinnungsterrorismus, die sich nur in der Minderheitenpostille Kronen Zeitung artikulieren dürfen. Nicht nur der Wiener Bürgermeister findet die Heldenweihefestspiele, die Rechtsextreme in Wichs, Kärntnertracht oder Bomberjacke auf dem Heldenplatz veranstalten wollen, degoutant. Gegen das Andauern dieser Vergangenheit wird zu Recht demonstriert, gedacht und gegenveranstaltet.

Den Versuchen, die Schande symbolisch zu tilgen und den Heldenplätzen ein friedfertigeres, toleranteres Image umzuhängen, hat aber auch

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