STREIFENWEISE

Kultur | MAYA MCKENCHEAY | aus FALTER 20/02 vom 15.05.2002

Die Straßenbahn scheint zu schweben und schiebt sich geräuschlos, in Zeitlupe die schmalen Gassen der Lissabonner Altstadt empor. Die Kamera, die nach draußen blickt, fängt verwischte Impressionen ein: eilige Spaziergänger, einen Straßenkehrer, alte Männer, die in Hauseingängen lehnen. "Manchmal", sagt die Frauenstimme aus dem Off, "wenn ich Leute beobachte, überkommt mich ein Gefühl der Traurigkeit, und ich muss an all die anderen Leben denken, die ich gelebt haben könnte."

  "The Lost Days" (1999) ist ein fiktives Reisetagebuch der 32-jährigen britischen Videokünstlerin Laura Waddington. Die Bilder, die hier vorbeiziehen, stammen übrigens nicht von ihr, sondern wurden von Freunden und Bekannten der Regisseurin in 15 Städten mit geborgten High-8-Kameras aufgenommen. So wurde "The Lost Days" zum Spiel mit Blickwinkeln: Die Bilder vieler werden von Waddingtons Montage und dem Off-Kommentar zu einer einzigen Perspektive synthetisiert, die paradoxerweise zugleich hochpersönlich


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