Fussball: Unglaubliches Casino SW Bregenz

Kultur | ARMIN THURNHER | aus FALTER 20/02 vom 15.05.2002

Unglaublich! Ein Vorarlberger Fußballklub hat sich drei Jahre in der Bundesliga gehalten und sich dabei vom 9. auf den 7. Platz verbessert. Gewiss hatte Rapid Wien das schlechteste Jahr seiner Geschichte, aber was schlecht ist für die einen, ist gut für die anderen: In der Abschlusstabelle 2002 steht Rapid für immer hinter Casino SW Bregenz. Und es gab Zeiten (zum Beispiel nach der 14. Runde), da lag Bregenz vor beiden Wiener Vereinen, vor Rapid und vor der mit Stronach-Millionen aufgeblasenen Wiener Austria. Vier Jahre in der höchsten Spielklasse, das gab es für einen Vorarlberger Klub noch nie. Der siebte Platz allerdings, allgemein und selbst auf der Homepage des Vereins als "das beste Saisonergebnis" bezeichnet, "das je eine Vorarlberger Mannschaft in der höchsten Spielklasse erzielte", ist das doch nicht ganz. 1966 erreichte die legendäre Bregenzer Truppe mit Fraydl, Kaltenbrunner, Prantl und Metzler den 6. Platz. Das schmälert nicht das Verdienst der Bregenzer, mit vergleichsweise schmalem Budget Großartiges geleistet zu haben. Unglaublich aber auch, dass die Schwarz-Weißen (im Vergleich zu Austria Lustenau) relativ schwach besuchte Heimspiele haben. Statistiken kann man durch Gratisbesucher schönen. Aber gibt es noch immer so etwas wie ein Misstrauen des flachen wie des bergigen Landes gegen seine Metropole? Mir scheint jedenfalls, das Ländle steht nicht mit der nötigen Entschlossenheit hinter seinem erfolgreichsten Fußballverein. Mit Ungerechtigkeiten Restösterreichs bei der Bregenz-Beachtung in Presse und Fernsehen rechnet man ja. Aber mit hausgemachtem Undank?


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