STANDPUNKT: Danke, Leitl!

Politik | aus FALTER 21/02 vom 22.05.2002

Da waren wir schon so weit, dass außer der FPÖ und der Lega Nord keine ernst zu nehmende politische Kraft die Grazer Bürgerwehr gut fand, und genau dann musste sich Bundeswirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl zu Wort melden. Eine Bürgerwehr für Linz muss her, erklärte der Präsident vor wenigen Tagen. Weil auf den Straßen der Linzer Altstadt Glasscherben herumliegen und Jugendliche betrunken herumlungern. Nach Kritik von Grünen, SPÖ und ÖVP relativierte Leitl zwar seine Äußerung und sprach nur mehr von einer "Hilfsaufsicht für staatliche Organe", die Kernaussage bleibt aber die gleiche: Linz darf nicht Chicago werden. Junge Leute, die auf den Straßen abhängen, könnten potenzielle Einkäufer vertreiben. Abgesehen davon, dass sich die Voest-Metropole in absehbarer Zeit wohl kaum in eine ebenso urbane und spannende Stadt wie Chicago verwandeln wird, hat sich Leitl eine besonders clevere Lösung einfallen lassen, wie man junge Menschen, die für Touristen ein wirklich unzumutbarer Anblick sind, loswerden kann. Einfach stramme Bürger, die nichts Besseres zu tun haben, als Hilfssheriff zu spielen, in hübsche Wachdienstuniformen stecken und das junge Gesindel in die Peripherie vertreiben. Recht so! Wer kein Geld hat, braucht auch nicht in der Altstadt herumzuhocken. N. H.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige