Kunst Kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 21/02 vom 22.05.2002

Hier muss mal richtig aufgeräumt werden", hat sich Ilse Haider wohl in ihrem Atelier gedacht und die Sortierarbeit gleich in eine Mini-Retro verwandelt. In ihrem jetzt in der Kunsthalle Exnergasse (bis 15.6.) gezeigten Video wird eine Kiste nach der anderen ausgepackt und der Inhalt - Kunst oder einfach nur Materialien - Stück für Stück der Kamera vorgeführt. Durch die begleitende Filmmusik entsteht eine witzige Art von Hervorhebung, etwa wenn Objekte von Streichern untermalt werden und plötzlich ein besonderes Gewicht kriegen. Das die Kunst begleitende soziale Trara persiflierte Haider auch bei einer Performance am Eröffnungsabend. Da ließ sie ihre Beine von einer erhöhten Plattform baumeln und begrüßte die nur einzeln vorgelassenen Vernissagenbesucher als laszive Gastgeberin im Abendkleid. In das Bild einer glamourösen Künstlerinnenexistenz passt auch das Quartett nackter Jünglinge auf zwei Fotos, die Haider zeigt. Allerdings bleibt dieses Image nicht unwidersprochen stehen: Neben wütenden Statements von Freunden und Bekannten artikuliert in dem zweiten Video der Ausstellung auch die Künstlerin selbst ihren Frust über Alltagsprobleme, die einen ohnmächtig zurücklassen.

  Wenigstens eine minimale Art der Performance wollen sich auch Museumsdirektoren oft nicht entgehen lassen. So wurden bei der Buchpräsentation von Peter Senoner im Project Space der Kunsthalle die Anwesenden in einen hinteren, nicht verglasten Raum gebeten, um dort von Gerald Matt begrüßt zu werden: allerdings nicht live, sondern auf Video! Ein Film zeigte den Hausherrn, flankiert von einer kubanischen Fahne, in seinem Büro, wo er die Lage der Kunst trotz Abwesenheit optimistisch einschätzte.


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