STANDPUNKT: Finz keinen anderen?

Politik | aus FALTER 22/02 vom 29.05.2002

Finanzstaatssekretär Alfred Finz wird also der neue Obmann der Wiener ÖVP. Der Kompromisskandidat, der keine - zumindest keine erklärten - Feinde hat, ist vielleicht wirklich der richtige Mann, um die zerstrittene Partei zu einen, die verfeindeten Lager zu befrieden und den Bezirksfunktionären das Gefühl zu geben, geliebt und gebraucht zu werden. Wenn er bei der Nationalratswahl im kommenden Jahr in Wien allerdings auf "deutlich mehr als zwanzig Prozent" kommt (1999 schaffte die ÖVP in der Hauptstadt nicht einmal 17 Prozent), dann will Finz auch bei der nächsten Gemeinderatswahl als Spitzenkandidat antreten. Wem will er Wähler abspenstig machen? Für junge Grüne ist der Staatssekretär zu trocken, zu konservativ und zu schwarz-blau. Für Freiheitliche im mittleren Alter ist Finz zu anständig, zu wenig populistisch, zu kultiviert und zu ehrlich - er verspricht nicht das Blaue vom Himmel, wenn er es nicht halten kann. Und die roten Pensionisten fühlen sich bei Bürgermeister Michael Häupl gut aufgehoben: Der ist volksverbunden, mächtig und genau dort konservativ, wo die Wiener es mögen. Finz sagt, er sei "voller Optimismus", dass sich die Sache mit seinem Charisma noch entwickeln würde. Sonst schaut es aus nach: five more years. Und zehn Jahre absolute Macht haben noch keiner Partei gut getan. E. W.


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