Eine missratene Debatte

Politik | STEFAN LÖFFLER | aus FALTER 22/02 vom 29.05.2002

ZEITGESCHICHTE. In Tschechien wird Mitte Juni gewählt. Für die Mehrheit der Tschechen geht es dabei auch um die Erhaltung der BenesÇ-Dekrete. Ein Tabuthema ist die Enteignung und Ausbürgerung der nationalen Minderheiten nach 1945 aber längst nicht mehr. 

Wenn Wahlkampf herrscht und Politiker dabei die Vergangenheit ihres Landes entdecken, finden das manche ein wenig skurril. Der Prager Historiker JirÇi PesÇek etwa kann beim Lesen tschechischer Zeitungen oft nur den Kopf schütteln: "Hier findet man nur Extrempositionen. Entweder war die Vertreibung der Sudeten ein Verbrechen an den harmlosen Deutschen, oder es herrscht die traditionelle Nachkriegsmeinung, es sei eine gerechtfertigte Vergeltung für die Nazigräuel gewesen." Doch immerhin: Es werde - anders als dies den Tschechen von deutschsprachigen Blättern oft unterstellt wird - über die eigene Vergangenheit debattiert. Wenn auch mit politischen Kampfparolen, die mit historischen Tatsachen nicht viel zu tun haben.

  Tschechiens


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