FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 22/02 vom 29.05.2002

Was ist denn mit dir los, fragen die Menschen, und was um Himmels willen macht denn Tony Soprano? Ja, es gibt tatsächlich mittlerweile schon Leute, die die großartig ironische Mafia-Serie "Die Sopranos" durch regelmäßiges - manche nennen es auch penetrantes - Abfeiern in dieser Kolumne schätzen gelernt haben - ohne die Serie je gesehen zu haben. "Mir reicht es, darüber bei Dir zu lesen", sagt zum Beispiel der Theater-Sex-Fußball-Kollege. "Ich warte nur, bis die ,Sopranos' im ORF gezeigt werden, damit ich neu einsteigen kann", beteuert die Kollegin aus der Buchhaltung. Sehr löblich und klug, denn mitten in der zweiten Staffel einzusteigen wäre keine gute Idee. Mittlerweile hat Tony, der neurotisch-brutale Pate von New Jersey, einen ersten Durchbruch in seiner Psychotherapie geschafft: Der Weg dahin über sämtliche Kindheitstraumata (Tonys Mafia-Schläger-Papa hackte einst einem zahlungsunwilligen Fleischer den Finger ab, Tony musste zusehen, seitdem fällt er ganz gerne einmal in Ohnmacht, wenn er Fleisch sieht) sollte nicht ausgelassen werden. Dann kann man auch nachvollziehen, warum der ORF diese unglaubliche Serie endlich ins Programm hieven sollte.


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