STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 22/02 vom 29.05.2002

Auf einem Atelierfest und bei vorgerückter Stimmung lernt René, ein zurzeit arbeitsloser Tenor, eine Kleine namens Denise kennen. Sie wird als "gottbegnadete Sängerin" vorgestellt, der Bohemien mit dem warnenden Hinweis "Hat jede Woche eine andere" eingeführt, und doch lässt die Liebe nicht mehr lange auf sich warten. Der weitere Handlungsverlauf dürfte bekannt sein, denn bei dem Film handelt es sich um "Zauber der Boheme", Géza von Bolvarys anno 1937 realisierte Prestigeproduktion nach Motiven der Oper von Puccini. Das berühmte Paar, Marta Eggerth und Jan Kiepura, war zum letzten Mal vor seiner erzwungenen Emigration in die Vereinigten Staaten auf der Leinwand zu sehen.

  "Csardas und Belcanto", die aktuelle Retrospektive des Filmarchivs Austria im Bellaria Kino, lädt noch bis 4.6. zum Wiedersehen mit Eggerth, Kiepura und ihren Filmen ein. Obwohl der aus Polen gebürtige Tenor, dessen Geburtstag sich dieser Tage zum 100. Mal jährt, als Filmschauspieler weder die tragische Präsenz von Joseph Schmidt noch die heitere Brillanz von Richard Tauber erreichte, hat Jan Kiepura das "Genre" des "Sängerfilms" in den Dreißigerjahren geprägt wie kein anderer; in Marta Eggerth, die er 1936 ehelichte, fand er für kurze Zeit auch auf der Leinwand eine kongeniale Partnerin.

  Tipps für Unentschlossene: "Leise flehen meine Lieder" (Willi Forst, 1934), "Opernring" (Carmine Gallone, 1936), "Mein Herz ruft nach Dir" (Carmine Gallone, 1934) und natürlich "Zauber der Boheme", der - begleitet von einem umfänglichen Buch gleichen Titels - soeben auch erstmals auf Video erschienen ist.

Günter Krenn, Armin Loacker (Hg.): Zauber der Boheme. Edition Film und Text 5. Wien 2002 (Filmarchiv Austria). 624 S., E 9,- (Buch und Video: E 25,-)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige